Sonntag, 22. Dezember 2013

DER RUF DES KUCKUCKS - J.K. Rowling erzählt und erzählt und erzählt...

Krimi-Rezension von Petra Weber

Als das berühmte Model Lula Landry von ihrem schneebedeckten Balkon im Londoner Stadtteil Mayfair in den Tod stürzt, steht für die ermittelnden Beamten schnell fest, dass es Selbstmord war. Der Fall scheint abgeschlossen. Doch Lulas Bruder hat Zweifel – ein Privatdetektiv soll für ihn die Wahrheit ans Licht bringen. 

Cormoran Strike hat in Afghanistan körperliche und seelische Wunden davongetragen, mangels Aufträgen ist er außerdem finanziell am Ende. Der spektakuläre neue Fall ist seine Rettung, doch der Privatdetektiv ahnt nicht, was die Ermittlungen ihm abverlangen werden. Während Strike immer weiter eindringt in die Welt der Reichen und Schönen, fördert er Erschreckendes zutage und gerät selbst in große Gefahr … Verlagsinfo

Zunächst: Dass DER RUF DES KUCKUCKS von einer etablierten Starautorin (J.K. Rowling) mit viel Schreiberfahrung geschrieben wurde, ist nicht in meine Sterne-Bewertung des Kriminalromans eingeflossen. "Robert Galbraith" ist ein Krimi-New-Comer und unter diesem Gesichtspunkt habe ich auch den Text gewertet. Allerdings erklärt sich aus der realen Autorenschaft das Problem des Krimis.

Persönliche Meinung: 3,5 Sterne (von 5 möglichen)

Galbraith/Rowling hat einen dieser Erzähl-Krimis geschrieben, die mit überreichen, detailgenauen Beschreibungen und zahlreichen Akteuren zwar unterhaltsam zu lesen sind, jedoch durch ihre Überlänge auf 640 Seiten ständig die Spannung ausbremsen.

Schon der Klappentext lässt das inhaltliche Niveau des Buches erkennen mit Sätzen wie: "Als das berühmte Model Lula Landry von ihrem schneebedeckten Balkon im Londoner Stadtteil Mayfair in den Tod stürzt.."

Hier wird in eine Welt entführt, die den meisten Lesern ferner sein dürfte als Hogwarts. Und auch die Typen, die durchaus sympathisch und liebenswert sind, haben wieder seltsame Namen und umfängliche, tragische Lebensgeschichten wie z.B. der Protagonist "Cormoran Strike", der als einbeiniger Afghanistan Veteran mit seiner Sekretärin Robin durch den Fall führt.

Im Verlauf des Textes offenbart sich für echte Krimi-Fans jedoch schnell das Spannungsproblem, unter dem dieser Roman als Krimi leidet: je weiter ins Detail (z.T. bis zum Zopfgummi genau) Akteure und Situationen beschrieben werden, desto weniger Thrill kommt auf. 

Rowling ist der Genrewechsel zum Verhängnis geworden. Ein Fantasy-Roman / Märchen entführt den Leser in fremde Welten zu unbekannten Wesen, die er möglichst detailliert beschrieben haben möchte, hier ist kunstvolles Beschreiben ein Genuss. Im Krimi darf die Welt nicht so weit vom Leser entfernt sein, dass sie seitenweiser Beschreibung bedarf, denn hier ist neben einem einstimmenden Ambiente vor allem ein spannender Handlungsverlauf das Ziel.

Dass am Ende dann eine Auflösung -wie man bis dahin fast schon befürchtet hat- "aus dem Hut gezaubert" wird, passt in dieses Bild. 

Wer englische Erzählkrimis mit vielen Nebenakteuren und sympathischem Ermittlerpärchen mag, die unterhaltsam und detailreich konstruiert, wenn auch nicht immer an der Realität oder Wahrscheinlichkeit liegend und nur mäßig spannend sind und wen es nicht stört, wenn die Lösung am Ende vom Autor hinzu konstruiert wird, dem macht DER RUF DES KUCKUCKS Spaß.

Echte Krimifans werden jedoch in Robert Galbraith keinen neuen Stern am Krimi-Himmel sehen und sich wünschen, Frau Rowling würde diese Schreibexperimente beenden, sich endlich wieder auf ihr einmaliges Erzähltalent besinnen und Fantasyromane für Erwachsene schreiben. Dieser Wunsch wird wohl nicht in Erfüllung gehen, denn Teil 2 ist bereits geschrieben und wird in Kürze veröffentlicht. 

DER RUF DES KUCKUCKS
Autor: Robert Galbraith
Format: gebunden
Seitenzahl: 640 Seiten
Verlag: Blanvalet
Übersetzung: Wulf Bergner, Christoph Göhler, Kristof Kurz
Preis: 22,99 Euro
Preis eBook-Version: 18,99 Euro

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