Sonntag, 15. Dezember 2013

JACK TAYLOR - Irish Noir-Krimis von Ken Buen jetzt auch auf DVD

Krimi-Rezension: Petra Weber

Der scharfsinnige, gutmütige Jack Taylor war früher ein engagierter Polizist, der hin und wieder gern zu tief ins Glas schaute. 

Seit seinem Rausschmiss bei der irischen Polizei befasst er sich als Privatdetektiv mit Fällen, die amtliche Instanzen längst als unlösbar deklariert haben. Mit unkonventionellen Methoden, einem Charme, dem besonders weibliche Zeugen häufig erliegen, und großer Dickköpfigkeit begibt er sich auf Spurensuche. Die Region um Galway herum bietet düsteren Gestalten eine perfekte Kulisse für ihre kriminellen Machenschaften. 

Taylors Fälle führen ihn in die finstersten Winkel der menschlichen Seele. Und weil seine „Operationszentrale“ eine Kneipe ist, blickt er seinen Dämonen täglich direkt ins Auge. (Verlagsinfo)

Die TV-Krimi-Serie JACK TAYLOR, die das ZDF in den vergangenen Wochen an sechs Sonntagen um 22:00 Uhr zeigte, ist nach einer Vorlage der Irish Noir-Krimis von Ken Bruen produziert worden.

Ich bin ehrlich: Noir-Krimis sind eigentlich nicht mein Fall. Zu viel Düsternis, unvermeidbare Sozialkritik, abgehalfterte, am Boden zerstörte Ermittler mit div. Suchtproblemen und schöne, aber nicht minder gefährliche Frauen, die dem Helden den Kopf verdrehen, sind nicht mein Lieblingsszenario. 

Dass ich mir JACK TAYLOR trotzdem angesehen habe, lag am Hauptdarsteller Iain Glen (u.a. Downton Abbey, gebürtiger Schotte). In der ersten Folge "Der Ex-Bulle" bestätigten sich zunächst alle meine Erwartungen an den Plot. Ein exzessiver Säufer, der im Alleingang gegen den Rest der Welt kämpft, um einer gefährlich schönen Frau zu gefallen vor der Kulisse des wenig idyllischen irischen Örtchens Galway. Allerdings sehr glaubhaft gespielt von Iain Glen.

Weshalb ich mir dann auch die zweite Folge "Auge um Auge" ansah und plötzlich doch noch sehr angenehm überrascht wurde. Die Schöne aus dem ersten Teil taucht wieder auf und ist noch gefährlicher als gedacht, zudem bekommt Taylor ungefragt Unterstützung von einem jungen Mann namens Cody (Killian Scott, gebürtiger Ire), der dem weiter gegen den Absturz kämpfenden Helden erfrischend Kontra bietet, was auch für die junge Polizistin Kate Noonan (Nora-Jane Noone, interessanterweise tatsächlich in Galway geboren), die sich selbst mit ihren "illegalen" Hilfsaktionen für Taylor in Schwierigkeiten bringt, gilt. Der Fall, den es zu lösen gilt, lässt den Zuschauer berührt und betroffen zurück.

Als Folge 3 "Gefallene Mädchen" zu Jack Taylors persönlichstem Fall wird, geht die Handlung, der eine tragische Waisenhausgeschichte mit einer sadistischen Nonne zugrunde liegt, direkt unter die Haut. Plötzlich versteht man Jacks gestörtes Verhältnis zu seiner frömmelnden Mutter, ohne dass man diese für die gravierenden Fehler ihres lieblosen Lebens wirklich verurteilen könnte.

Anrührend zu sehen, wie in Folge 4 "Königin der Schmerzen" zwischen Taylors Mutter und dem partiell nüchternen Detektiv für einen Moment eine zaghafte Annäherung stattfindet. Auch zu Kate Noonan entwickeln sich zarte, uneingestandene Bande, die am Ende der Episode dramatisch auf die Probe gestellt werden. Dass hier der Pfad der Realität streckenweise zugunsten von "Theater" verlassen wurde, verzeiht man Dank spannender Actionszenen.

Am Ende von Folge 5 "Tag der Vergeltung" -Jack Taylor ist wieder einmal einer schönen, falschzüngigen Frau aufgesessen- gibt es noch einen völlig  überraschenden Schreckmoment für den Zuschauer, zu dem ich aus Spoilergründen nichts weiter verrate, der mir dramaturgisch aber sehr gut gefallen hat.

Erneut abgestürzt und dem Suff verfallen, ermittelt Taylor im letzten Fall der Staffel "Das schweigende Kind" im Milieu der irischen Traveller. In dieser Folge ist das schweigende Kind "Rosie" wirklich herausragend und sehr sehenswert  von Hazel Doupe dargestellt, die in ihrer Schauspielkunst an die junge Jodie Foster erinnert.

Das Ende der Serie ist versöhnlich und macht Lust auf mehr. Da die jetzt im Handel erhältliche DVD "JACK TAYLOR Vol. 1" heißt, darf ich mir da vielleicht Hoffnungen machen.

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Die Fälle sind nicht alle gleich spannend, wenngleich alle recht düster, teilweise brutal und blutig sind und die FSK ab 16 Jahren ist deshalb völlig berechtigt. Am Ende der Serie ist man berührt, hat einen ganz kleinen Einblick in irisches Denken und irische Dorfgefüge erhalten und hat -fast ohne es zu merken- Taylor, Noonan & Cody ins Herz geschlossen, nicht zuletzt Dank der guten schauspielerischen Leistung aller Darsteller.

Auf der DVD-Sammlung mit sechs DVD gibt es das übliche Bonusmaterial: Interviews mit Regisseur, Produzent und Kameramann.

JACK TAYLOR Vol.1 kostet auf Amazon z.Zt. 36,99 Euro:
  • Darsteller: Iain Glen, Nora Jane Noone, Killian Scott
  • Regisseur(e): Stuart Orme
  • Format: Dolby, PAL
  • Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
  • Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1
  • Anzahl Disks: 6
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: Edel Germany GmbH
  • Erscheinungstermin: 9. Dezember 2013
  • Produktionsjahr: 2013
  • Spieldauer: 540 Minuten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.